
Begabungsförderung

Besonderer Wert wird in der Modellschule auf die Förderung individueller Begabungen gelegt. In erster Linie gilt dies mit dem Schwerpunkt Kunst und Gestaltung natürlich für den künstlerisch kreativen Bereich. Dieser spiegelt sich selbstverständlich auch in anderen Unterrichtsangeboten wider. Schüler*innen, die gerne Theater spielen, haben dazu in theaterpädagogischen Angeboten reichlich Gelegenheit, jene mit einer Liebe zum Schreiben können dieser in Schreibwerkstätten oder im Kreativen Schreiben Ausdruck verleihen.
Sprachreisen bieten Raum zum Vertiefen kultureller und fremdsprachlicher Interessen, für besonders Interessierte und Begabte gibt es auch die Möglichkeit, sich an Eurolingua zu beteiligen. Die Teilnahme an der Chemieolympiade oder an der "Woche der mathematischen Modellierung" und die Kooperation mit Forschungsprojekten im universitären Bereich stellen sicher, dass auch naturwissenschaftlich begabte Schüler*innen nicht zu kurz kommen. Wem das Denken Freude macht, der ist gut beraten, sich an der Philosophieolympiade zu beteiligen, und zahlreiche Filmprojekte bieten faszinierende Möglichkeiten, sich auf diesem Feld zu vertiefen. In der Lernwerkstätte schließlich ist es jedem Kind möglich, eigenverantwortlich selbst gewählte Themen zu bearbeiten und zu präsentieren.

Mit ihrem offenen Klima ist so die Modellschule, wo jedem Einzelnen mit Wertschätzung begegnet wird, wo Fragen und Hinterfragen erwünscht sind, kritisches Denken und Selbstverantwortung geschätzt werden und Flexibilität und Einfallsreichtum zum Schulkonzept gehören, ein besonders fruchtbarer Boden, auf dem Begabungen unterschiedlichster Art wachsen und gedeihen können, wo sie sich einerseits entfalten, andererseits aber durch das vielfältige Angebot erst entdeckt werden können.
Lernwerkstätte
- Zwei Wochenstunden in der ersten Klassen
- als Unverbindliche Übung für die 2. - 4. Klassen
- Freiraum für eigenmotiviertes und entdeckendes Lernen
- Finden einer persönlich relevanten Fragestellung
- individualisiertes Forschen, Arbeiten und Lernen
Das Konzept des „Entdeckenden Lernens“ entstand in den 70er Jahren. Es basiert auf der praktischen Erfahrung in und mit offenen Lernsituationen und wurde im Rahmen der INTERNATIONALEN LERNWERKSTÄTTENBEWEGUNG fortgeführt. Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der Lernwerkstättenidee und des „Inquiry Learning“ waren das „New York Workshop Center“ und die „Lernwerkstatt an der TU Berlin“. Heute wird die Idee in Europa von einem Netzwerk von Lernwerkstätten an verschiedenen Bildungseinrichtungen vorwiegend in Deutschland, aber auch zunehmend in Österreich und anderen Ländern getragen und von engagierten Lernwerkstätten-Pädagog*innen in die Praxis umgesetzt.
An der Modellschule gibt es seit vielen Jahren diese Form des freien Lernens, um den Schüler*innen die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit ihren ganz eigenen Interessen, Begabungen und Forschungswünschen zu geben. Die Lernwerkstätte entstand auch aus dem Wunsch, gerade in einer Ganztagsschule einen Freiraum zu schaffen für eigenmotiviertes Lernen. Sind einmal persönlich relevante Fragestellungen gefunden, ergibt sich das entdeckende Aneignen der Umwelt fast von selbst und Lernen passiert „ganz von alleine“. So die Theorie und auch die Praxis – sofern eine Institution wie „Schule“ diese Form des Lernens zulässt. Die Modellschule Graz versucht hierfür einen Freiraum zu schaffen.
Im Zentrum der Lernwerkstätte steht das praktische Lernen, das „learning by doing“ in einer vorbereiteten Umgebung. Unser Konzept sieht eine Strukturierung des Jahres in 4 Perioden vor, in denen die Schüler*innen sich ein Thema bzw. eine Fragestellung suchen, an deren Lösung sie dann ca. 6-8 Wochen à 2 Std/Woche arbeiten. Wir Lehrer*innen und auch der/die Sozialpädagog*in fungieren als Mentor*innen bzw. Lerngegleiter*innen. Wir helfen beim Präzisieren und Formulieren der Fragen und unterstützen die Schüler*innen im anschließenden Arbeits- und Lernprozess, indem wir Anregungen geben, Information und Austausch ermöglichen, Material bereitstellen. Die Antworten und Lösungen für ihre Fragen finden die Schüler*innen selbst und die Wege dazu sind vielfältig. Manche lernen über das Tun, über das Experimentieren und Ausprobieren, manche brauchen zuerst Literatur und Wissen, um sich ein Bild zu machen, manche versuchen ohne Anleitung eine Lösung zu finden. Auch der Irrtum und das Scheitern haben Platz und dienen dem Lernfortschritt. In der Lernwerkstatt arbeiten alle Schüler*innen in ihrer eigenen Geschwindigkeit an den Aufgabenstellungen, die ihre Begabungen, ihre Vorkenntnisse und ihre unterschiedlichen Interessen berücksichtigen und diesen entsprechen. Gegen Ende jeder Periode wird das Erforschte präsentiert. Und auch das erfordert eine Form und eine sorgfältige Vorbereitung, man lernt zusammenzufassen und einen Vortrag und/oder ein Plakat gut zu gestalten, sich zu präsentieren, mit Lob und Kritik umzugehen.
Den kleinen Forscher*innen wird hier ein Freiraum geboten, der viele Begabungen sichtbar werden lässt. Wir Lernbegleiter*innen lernen die Kinder auf eine andere Art und Weise kennen, über die Themen, die sie wählen, aber auch über ihr Tun. Für uns ist es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie unterschiedlich sie sind, wenn sie ohne Vorgaben lernen, und was sich zeigt, wenn eine für sie bedeutende Frage im Mittelpunkt steht.
Chemieolympiade
Seit über 25 Jahren findet an unserer Schule der Vorbereitungskurs zur Chemieolympiade in Form einer Unverbindlichen Übung für die Oberstufe (5. bis 8. Klasse) statt. Im Mittelpunkt steht die Freude am Experimentieren, aber auch theoretische Grundlagen für all jene, die eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Fach anstreben, finden Platz.
Neben der Vorbereitung auf die alljährlichen Wettbewerbe (die drei besten Schüler*innen des Kurses können am Landeswettbewerb teilnehmen, die drei besten des Landeswettbewerbes nehmen am Österreichwettbewerb teil und die drei besten Österreicher*innen nehmen an der Internationalen Chemieolympiade teil) bietet dieser Kurs auch eine gute Vorbereitung für all jene, die ein naturwissenschaftliches Studium (Pharmazie, Medizin, Chemie usw.) beginnen wollen.
Philosophie-Olympiade
Philosophie-Olympiade und der Philosophische Essay -
mit der Philosophie übers Leben nachdenken
Seit vielen Jahren nehmen Schüler*innen der 7. und 8.Klasse im Rahmen der Begabungsförderung an der Philosophie-Olympiade teil.
Im letztjährigen Philosophieworkshop wurde über die Begriffe Höflichkeit, Glück und Kosmos diskutiert. Die Probleme wurden zwar auch diesmal nicht gelöst, dafür bekam man wieder einmal vorgeführt, wie unterschiedlich die Standunkte, Argumente und Meinungen sein können. Im Anschluss an den Workshop wurden dann drei philosophische Zitate vorgegeben, über die die Schüler*innen philosophische Essays verfassten. Von den philosophischen Zitaten, über die im letzten Schuljahr geschrieben wurde, provozierte besonders die These Arthur Schopenhauers, wonach Höflichkeit Klugheit sei und Unhöflichkeit Dummheit.
Dieser Philosophievormittag diente auch als Vorbereitung für die „Internationale Philosophieolympiade" (IPO). Mit dem olympischen Gedanken, dass allein das Dabeisein schon etwas wert ist, begeben sich wie jedes Jahr Schüler*innen der letzten und vorletzten Schulstufe auf den Olymp des Denkens, um einen philosophischen Satz auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die Teilnahme boomt seit dem Start dieses schulübergreifenden Wettbewerbs (2005). Die entscheidende Selektion obliegt dann einer sechsköpfigen Jury, die sich wochenlang die Essays kreuz und quer durch die Steiermark zumailt, um unter heftigem Stirnfaltenwerfen die zwölf besten herauszufiltern. Endlich fällt dann im Februar die Entscheidung am „Tag der Philosophie" in Graz. Es werden aus den zum Großteil erstaunlich ausgereiften Finaltexten die Plätze 1 bis 12 ermittelt. Wer hat nun den besten der besten Essays geschrieben? Ist es der feinsinnige Stilist mit dem ausgeprägten Sprachwitz oder der bohrende Zu-Ende-Denker mit den philosophiehistorischen Kenntnissen? Free your mind.
Auch wenn in den Abschlussklassen ein dichtes Lernprogramm vorgegeben ist, finden sich jedes Jahr Modellschüler*innen, die sich mit Neugierde den philosophischen Zitaten nähern, denken, argumentieren, in einen philosophischen Diskurs einsteigen und ihre Essays bei der Olympiade einreichen.
